| Freitag 08. Juli 2016 | 19:15 h
Burg Hülshoff | Havixbeck
Droste-Museum
FÜHRUNG: MARGIT DOHRENBUSCH
1797 wurde die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff auf Burg Hülshoff
geboren. Sie war das zweite von vier Kindern des Freiherrn Clemens August
von Droste zu Hülshoff und der Therese Luise von Haxthausen. Als
ihr Bruder Werner nach dem Tod des Vaters 1826 den Familiensitz übernahm,
mussten Annette, ihre Mutter und die Schwester Maria Anna, genannt Jenny,
ins nahegelegene Rüschhaus ziehen. Auf Burg Hülshoff entstanden
erste Gedichte und literarische Projekte.
Im Biedermeierkostüm führt Margit Dohrenbusch durch die historischen
Wohnräume der Burg und lädt mit Prosa und Poesie der berühmten
Tochter des Hauses auf eine Zeitreise ins beginnende 19. Jh. ein.
Wohlbehütet, in der Enge und Abgeschlossenheit der westfälischen
Adelswelt, wuchs Annette von Droste-Hülshoff auf Burg Hülshoff
auf. Das frühreife, eigensinnige, häufig kranke, „nervlich
überreizte“, Mädchen erhielt dieselbe Bildung wie ihre
Brüder. Auf Hülshoff entstanden erste literarische Projekte,
in denen die angehende Dichterin ihre Sehnsucht, ihr „vielfach
gepresstes und geteiltes Gemüt“ offenbart. Schon die 19-Jährige
gibt im Gedicht „Unruhe“ den Grundkonflikt zwischen der
Selbstbehauptung als Mensch und Dichterin und der geforderten Anpassung
an die Rolle der Frau zu erkennen, in dem Droste ihr Leben lang stehen
wird.
Unruhe
Lasst uns hier ein wenig ruhn am Strande
Phoibos Strahlen spielen auf dem Meere
Siehst du dort der Wipfel weiße Heere
Reisge Schiffe ziehn zum fernen Lande
Ach! Wie ists erhebend sich zu freuen
An des Ozeans Unendlichkeit
Kein Gedanke mehr an Maaß und Räume
Ist, ein Ziel, gesteckt für unsre Träume
Ihn zu wähnen dürfen wir nicht scheuen
Unermeßlich wie die Ewigkeit. […]
Möchtest du nicht mit den wagenden Seglern
Kreisen auf dem unendlichen Plan?
O! ich möchte wie ein Vogel fliehen
Mit den hellen Wimpeln möcht ich ziehen
Weit, o weit wo noch kein Fußtritt schallte
Keines Menschen Stimme widerhallte
Noch kein Schiff durchschnitt die flüchtge Bahn.
Und noch weiter, endlos ewig neu
Mich durch fremde Schöpfungen, voll Lust
Hinzuschwingen fessellos und frei
O! das pocht das glüht in meiner Brust
Rastlos treibts mich um im engen Leben
Und zu Boden drücken Raum und Zeit
Freiheit heißt der Seele banges Streben
Und im Busen tönts Unendlichkeit!
Stille, stille, mein töricht Herz
Willst du denn ewig vergebens dich sehnen?
Mit der Unmöglichkeit hadernde Tränen
Ewig vergießen in fruchtlosem Schmerz? […]
Lass uns heim vom feuchten Strande kehren
Hier zu weilen, Freund, es tut nicht wohl,
Meine Träume drücken schwer mich nieder
Aus der Ferne klingts wie Heimatslieder
Und die alte Unruh‘ kehret wieder
Lass uns heim vom feuchten Strande kehren
Wandrer auf den Wogen, fahret wohl!
Fesseln will man uns am eignen Herde!
Unsre Sehnsucht nennt man Wahn und Traum
Und das Herz, dies kleine Klümpchen Erde
Hat doch für die ganze Schöpfung Raum!
Annette von Droste-Hülshoff
In Kooperation mit der Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung
www.burg-huelshoff.de |