| Sonntag 24. Juli 2016 | 17:00 h
Kulturscheune Walstedde | Drensteinfurt-Walstedde
El Galeón 1600
LOS TEMPERAMENTOS
Kultur ist Mixtur, und je unterschiedlicher die Ingredienzien, desto
reichhaltiger, desto spannender und kostbarer der Mix. „El Galeón
1600“, die Galeone, das Hochseeschiff, das Truppen und Materialien
nach „Neuspanien“ brachte und mit Schätzen beladen
zurückkam, steht symbolisch für eine einzigartige interkontinentale
Melange. Die hatte sich nach der Conquista aus der modernen Musik der
„Alten“ und der indigenen der „Neuen Welt“ in
Südamerika und Südeuropa entwickelt: affekt- und effektvoller
Barock. Impulsiv, lyrisch, innig und extrovertiert, eine brandneue Klangsprache,
farbenreich-sinnlich, mit ureigenen Rhythmen: Tanz und Temperament.
Was damals die Gemüter entzündete, macht auch heute noch an.
Und wie kein anderes spielt das Ensemble Los Temperamentos zum ‚latino-barocken‘
Tanz der Temperamente auf, ist es doch selber ein lateinamerikanisch-europäisches
temperamentum, die genau richtige Mischung für das, was es tut.
Biografisch quasi dazu bestimmt, musikhistorisch topinformiert und bestens
ausgebildet an der Hochschule für Künste Bremen, haben sich
die Virtuosen auf die musikalischen Migrationsbewegungen zwischen Europa
und Südamerika spezialisiert.
In „El Galeón 1600“ mischen sie Musik, die unter
dem Einfluss der „Neuen Welt“ auf der iberischen Halbinsel
und in Italien entstand, mit der Musik, die in produktiven Exklaven
in Bolivien und Peru komponiert wurde. Hier hatte sich die Kultur der
christlichen Missionare, die die Inkas in europäischer Komposition
und Instrumentenbau unterrichteten, mit der indigenen gemischt; dort
hatten über das spanisch besetzte Neapel die exotischen Klänge
und Rhythmen aus Lateinamerika schnell begeisterte Aufnahme gefunden.
Bald nach Zusammenstellung wurde in Europa der „Códice
Trujillo del Perú“ (1785) bekannt, eine Sammlung von Bildern
und Musikstücken, mit denen der Bischof Martínez Compañón
die Kultur in seinem Bistum Trujillo in Peru dokumentiert. Und voller
Anerkennung schrieb der Schweizer Jesuit Martin Schmidt 1744 aus der
Provinz Chiquitos nach Hause: „Diese Indianerknaben sind ausgemachte
Musikanten (…) Ich darf behaupten, dass sie mit ihrer Musik in
jeder Stadt und Kirche zu eurer großen Verwunderung erscheinen
könnten“. Das „Archivo de Chiquitos Bolivia“
versammelt mehr als tausend dieser Kompositionen, einen Schatz, der
in den 1970-ern erst durch Zufall allgemein bekannt wurde. Die indigene
Bevölkerung hatte ihn unter Verschluss gehalten, als kostbares
Geheimnis gehütet. Los Temperamentos hebt ihn neu mit Freude, Neugier
und Respekt und gibt dem „Anonymus“ wie seinen europäischen
Kollegen Stimme und Gesicht, glutvolles Leben, Temperament, das auffliegt
und tanzt.
LOS TEMPERAMENTOS
Swantje Tams Freier
Gesang, Blockflöte
Anninka Fohgrub
Blockflöten
Tomoe Badiarova
Barockvioline
Néstor F. Cortés Garzón
Barockcello
Hugo M. de Rodas Sanchez
Erzlaute/Barockgitarre
Nadine Remmert
Cembalo
Miguel A. Altamar de la Torre
Perkussion
|

|